Im Gespräch mit Dr. Söke Dinkla / Duisburg atmet Kultur
Shownotes
Heute spricht Ralph mit Söke. Söke Dinkla ist Kuratorin und Direktorin des Lehmbruck-Museums in Duisburg. Söke spricht über Duisburg als Kulturhauptstadt, wie ein UFO namens Tiger & Turtle auf einer Halde in Duisburg landete, den unverfälschten Blick auf das Ruhrgebiet und ihre Liebe zur Transformation seit Ende der 1990er Jahre in Gestalt des Landschaftspark Nord oder des Innenhafen.
Söke Dinkla spricht über das Potenzial des Ruhrgebiets, ihre Rolle im Lehmbruck-Museums, die Rolle der Kunst für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft und die Offenheit der Architektur des Lehmbruck-Museums als Metapher für die Nahbarkeit und Vielfalt Duisburgs.
Ein Gespräch über Schönheit und Reichtum, Erwartungen und Brüche und die Einsicht, dass Lokales und Globales sich in unserer Welt nicht voneinander trennen lassen. Söke liebt die Kunst, ihre Begeisterungsfähigkeit ist hochgradig ansteckend. Das kann man im Lehmbruck sehen und hier im Podcast hören!
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00:00:00: Wir arbeiten mit sehr viel Engagement daran, unsere ganzen Schulen, Kindergärten ins Museum zu holen, somit dass das für sie selbstverständlich ist, dass es für sie eigentlich ein Ort ist, der für sie gemacht ist.
00:00:14: Heute spricht Reif mit Söke.
00:00:16: Söke, den klar ist,
00:00:17: Kuratorin
00:00:18: und Direktorin des Lehmbrug-Museums in Duisburg.
00:00:22: Söke spricht über Duisburg als Kulturhauptstadt, wie ein Ufo namens Tiger Entturtle auf einer Halde in Duisburg landete, den unverfälschten Blick auf das Ruhrgebiet und ihre Liebe zur Transformation seit Ende der Neunzigerjahre in Gestalt des Landschaftsparks Nords oder des Innenhafens.
00:00:42: Söke Dingler spricht über das Potenzial
00:00:44: des Ruhrgebiets.
00:00:46: ihre Rolle im Lehmbrug Museum, die Rolle der Kunst für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft und die Offenheit der Architektur des Lehmbrug Museums als Metapher für die Nahrbarkeit und Vielfalt Duisburgs, ein Gespräch über Schönheit und Reichtum, Erwartungen und Brüche und die Einsicht, dass lokales und globales sich in unserer Welt nicht voneinander trennen lassen.
00:01:10: Söke liebt die Kunst.
00:01:12: Ihre Begeistungsfähigkeit ist hochgradig ansteckend.
00:01:15: Das kann man im Lehmbrug
00:01:16: sehen
00:01:17: und hier im Podcast
00:01:18: hören.
00:01:19: Willkommen zum Podcast Duisburg City of Transformation.
00:01:23: Bei mir im Podcaststudio ist Dr.
00:01:25: Söke Dinkler.
00:01:27: Sie ist Direktorin und Kuratorin des weltberühmten Wilhelm Lehmbrug Museums in Duisburg.
00:01:33: Und Söke bei deinem Namen habe ich gedacht, der ist nicht total düstburgerisch.
00:01:38: Söke kam mir irgendwie aus Frisisch vor.
00:01:41: Liege ich richtig oder völlig falsch?
00:01:42: Ich bin in Willemshafen geboren an der Nordsee in der Tat, aber da gibt es den Namen auch nicht.
00:01:48: Also er ist auch bei uns in Willemshafen an der Nordsee eigentlich nicht existent.
00:01:54: Meine Eltern haben sich das überlegt und fanden den Jungsnamen Sönke so schön.
00:02:00: Und haben sich dann gedacht, ja, als Mädchennamen gibt es Söke.
00:02:04: Und da hat auch keiner widersprochen, weil es in der Türkei eine Stadt gibt mit dem Namen Söke.
00:02:10: Das wussten sie aber gar nicht.
00:02:11: Sehr schön.
00:02:12: Das ist also die recht unspektakuläre Geschichte meines Namens.
00:02:17: Dadurch konnte ich mir aber gleich gut merken, Söke.
00:02:20: Und bei Willemshafen fällt mir ein, da war ich nicht oft.
00:02:23: Aber wenn ich mal in Willemshafen war, dachte ich immer so ein bisschen, Ähnelt Duisburg an manchen Ecken und das ähnelt der Rohgebietsarchitektur.
00:02:31: Genau.
00:02:32: Wie kommt das?
00:02:33: Das kommt, weil das Wilmshafen, das ganze Stadtbild, ist vom Krieg geprägt, ist eine Hafenstadt, werft Barinestadt und ist nach dem Krieg oder im Krieg... maßgeblich zerstört worden und dann eben auch nach dem Krieg wieder aufgebaut.
00:02:49: Und deshalb begegnet einem die gleiche Architektur wie hier in Duisburg.
00:02:53: Also
00:02:54: die typische Nachkriegsarchitektur, die schnell wieder nach dem Krieg erstehen musste.
00:03:00: Das sind also die fünftiger Jahre bauten, die sogenannten, weil man ganz schnell Wohnraum brauchte.
00:03:07: Okay, lag ich nicht so ganz falsch.
00:03:10: Söke, ich habe gedacht, du bist ja jetzt lange hier schon.
00:03:13: Ich habe gelesen, ich glaube, über drei Jahrzehnte, fast fünf, dreißig Jahre in Duisburg.
00:03:17: Ich hatte plötzlich so ein Titelbild vor Augen.
00:03:21: Söke, Dinglas, Duisburg.
00:03:24: Hättest du Lust auf so ein Buch?
00:03:25: Ja, warum nicht?
00:03:27: Ja, gerne.
00:03:27: Was
00:03:27: war das erste Kapitel?
00:03:30: Das erste Kapitel würde sich um Halden drehen.
00:03:37: Ja, Tiger und Turtle, die großen Halden im Grohgebiet.
00:03:40: Die
00:03:40: Zinkhalden?
00:03:41: Die,
00:03:41: die bei uns einfach zur Identität beitragen, die von außen wahrgenommen werden als eine neue Identität von Duisburg, aber auch insgesamt vom Grohgebiet.
00:03:54: Und ich sehe Duisburg eigentlich immer im Kontext von allen Städten, die drumherum liegen, also im ganzen Kontext vom Ruhrgebiet.
00:04:02: Von Portobeber, Oberhausen, Essen.
00:04:04: Es ist
00:04:04: einfach fantastisch, was für ein Potenzial wir hier in dieser gesamten Region haben, was für eine Nähe, wie viele Menschen aus unterschiedlichsten Gegenden der Welt hier leben und was wir auch in den letzten Jahr, zehn, zwanzig, vielleicht auch dreißig Jahren auf die Beine gestellt haben, um tatsächlich neue aufzubauen und um auch mit den Strukturwandel Fragen klarzukommen, um neue Lösungen zu finden und um auch nicht aufzugeben.
00:04:35: Jetzt hast du gerade so locker Tiger and Turtle erwähnt für diejenigen oder den Zuhörern, die jetzt nicht ständig in Duisburg sind.
00:04:42: Das ist eine begehbare Großkultur aus Stahl.
00:04:45: Sie ist verzinkt.
00:04:47: Sie steht auf der Heinrich-Hildl.
00:04:50: Brandt Höhe einer ehemaligen Zinkhalte und Dusöke war es, glaube ich, ganz entscheidend mit an diesem Projekt beteiligt.
00:04:59: Erzähl mal, wie?
00:05:01: Genau.
00:05:01: Ich habe die Ehre gehabt, mit Oliver Scheitz zusammen die Kulturhauptstadt Bewerbung vorzubereiten, also weit vor dem Jahr zwei Tausendzehn.
00:05:11: Das ging, glaube ich, schon zwei Tausendsechs, zwei Tausendsieben los.
00:05:15: Und in einem ja kleinen, sehr enthusiastischen Team haben wir dann den Titelerrungen Kulturhauptstadt Ruhr-Zwanzigzehn, das erste Mal, dass eine ganze Region Kulturhauptstadt wurde.
00:05:28: Und im Zuge dann der Durchführung der Kulturhauptstadt habe ich das Kulturhauptstadtbüro in Duisburg geleitet.
00:05:35: Und dann eben auch die Landmarke Tiger & Turtle.
00:05:40: Stahlskulpturen, also ein bisschen Achterbahn, etwas geschrumpft, aber im Prinzip...
00:05:46: Es ist einfach in der Form der Achterbahn, es ist allerdings keine Achterbahn, die befahren wird, sondern begehbar ist von Menschen.
00:05:54: Sie steht oben auf einer Halde, die man auch so spiralförmig ergehen kann.
00:05:59: Und diese Skulptur ist deswegen besonders, weil sie von Weitem einfach utopisch aussieht.
00:06:05: Also man denkt, da ist fast ein Ufo auf dieser Halde gelandet, weil so eine silbern, schimmernde, auch nachts leuchtende Skulptur sich dort befindet.
00:06:14: Und das Besondere ist, wenn man dann diese Halde hochgeht und die Achterbahn hochgeht, dann ist man tatsächlich in einem ganz, in einer ganz anderen Welt.
00:06:25: Ja, tatsächlich gibt es nichts Vergleichbares.
00:06:27: Also weder im Ruhrgebiet noch irgendwo anders gibt es eine vergleichbare Skulptur, die jetzt erstmal so Geschwindigkeit verheißt von Weitem.
00:06:36: Und wenn man dann sich in der Nähe befindet, dann geht man ganz langsam diesen Weg hoch.
00:06:41: Und deswegen auch der Begriff Teiger, also Schnelligkeit, und Turtle, die Schildkröte, die Langsamkeit.
00:06:47: Verstehen.
00:06:48: Dann entdeckt man erst mal, wie schwierig es ist, diese Beschleunigung einer Achterbahn zu erreichen.
00:06:51: Das sieht voll völlig aus an.
00:06:55: Wie ist sie da hingekommen?
00:06:56: So kanntest du jemanden, der diese Irrsinnsidee hatte und hast gesagt, komm, ich hole dich hierhin?
00:07:01: Oder wie lief das?
00:07:03: Also das lief so, dass auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist ein Zinkwerk gewesen, eine Zinkfabrik.
00:07:09: Und die hat so viel Müll und Abfall und Gift produziert, dass man eine Halde brauchte.
00:07:15: Und zwar in jüngster Zeit, in den neunziger Jahren.
00:07:18: Und hat dann eine Halde aufgeschüttet mit dem ganzen Abfall.
00:07:22: Hat diese Halde schön grün gemacht, damit sie hübsch aussieht.
00:07:26: Und kurz vor der Kulturhauptstadt haben dann die Kollegen, die das gemacht haben, hier in Duisburg gesagt, jetzt möchten wir gerne eine Skulptur haben da oben drauf.
00:07:34: Dann habe ich gesagt, wenn wir da eine Skulptur ... Errichten, dann ist natürlich Kulturhauptstadt genau der richtige Rahmen.
00:07:42: Aber ich würde vorschlagen, einen Wettbewerb auszurufen.
00:07:45: Das haben wir dann gemacht, einen beschränkten Wettbewerb.
00:07:48: Und den haben Heik Mutter und Ulrich Gent gewonnen.
00:07:51: Das ist ein junges Künstlerpaar.
00:07:54: Die sind Bildhauer und die haben dann diese Skulptur entworfen.
00:07:58: Könntest du die vorher schon?
00:08:00: Ja.
00:08:00: Du hast sie dahin gelockt.
00:08:02: Also ich habe mehrere Künstler, die gut sind und die für so eine Aufgabe geeignet sind, vorgeschlagen.
00:08:07: Die haben dann ihre Entwürfe eingereicht und das war eben der weit aus überzeugendste.
00:08:13: Überrahmt.
00:08:13: Ja.
00:08:14: Also ich kenne viele Leute, die wirklich heute am Wochenende nach Duisburg fahren mit dem Fahrrad oder wie auch immer wegen dieser von dir ja mit initiieren Skulpturen.
00:08:23: Genau.
00:08:23: Und viele Leute feiern da Silvester.
00:08:26: Das ist einfach ein ganz toller Ort, um ins neue Jahr zu kommen, wenn man so auf Achtzig Meter über Null auf den Rhein guckt.
00:08:33: Man guckt auf diese ganze Industri-Landschaft.
00:08:36: Man guckt eigentlich im Grunde auf das Rohgebiet so, wie es auch wirklich ist.
00:08:41: Toll.
00:08:41: Also du bist insofern auch so personifizierte Transformation von Duisburg, wenn man so will.
00:08:46: Wenn man Teige und Törtel als ein Stück dieser Transformation begreift.
00:08:50: Das ist sicherlich so die jüngste Geschichte meiner Transformationsüberzeugung.
00:08:56: Aber angefangen hat das eigentlich noch viel früher.
00:08:59: Nämlich in den neunziger Jahren, im IBA-Abschlussjahr, neunzehnneunzig, gab's
00:09:05: ja... Internationale Bauerstellung.
00:09:06: Genau, Internationale Bauerstellung IBA.
00:09:09: War ja das erste große Transformationsprojekt im Rohrgebiet, wo alle Städte beteiligt waren.
00:09:16: M-Shore, Renaturieren etc.
00:09:19: Ja, genau.
00:09:19: Und daraus sind ja eigentlich auch so Orte wie der Landschaftspark entstanden.
00:09:23: Daraus ist der gesamte Innenhafen hier entstanden.
00:09:26: Daraus ist Zeche Zollverein entstanden.
00:09:28: Also alle wirklich großen Projekte, die unserer Region ein neues Gesicht, eine neue Identität geben.
00:09:36: Mit großer Bedeutung, wenn ich das persönlich einfügen darf, ich bin in der Zeche Zollverein zur Schule gegangen.
00:09:40: Ich bin in Essen-Kaddenberg, stand unsere Schulbaracke.
00:09:43: Und wir haben jetzt unser fünftigjähriges Abitursjubiläum in der Zeche Zollverein.
00:09:48: gefeiert, deren Abgase wir früher eingearbeitet hatten und saßen plötzlich im Drei-Sterne-Lokal.
00:09:53: Also eine große Transformation, mal gerne nicht denkbar.
00:09:56: Und viel schnell, ne?
00:09:57: Wie schnell?
00:09:58: Also, es war kurz.
00:10:00: nachdem ich dann ins Rohrgebiet gezogen bin, bin ich über Karl Ganser in diese Ibar-Kreise, die eigentlich das Abschlussjahr feiern wollten, gekommen und habe ein Projekt vorgeschlagen, das hieß Connected Cities.
00:10:14: Wir haben also mit ungefähr zwanzig Künstlern ein Projekt initiiert, in dem dann an fast zehn Orten im gesamten Rohgebiet von Una über Bochum, über Essen, über Mühlheim, über Herden, an unterschiedlichsten Kulturorten, aber auch Industriestandorten Künstler mit digitalen Medien gearbeitet haben.
00:10:39: Und die Idee war einfach diese Orte digital miteinander zu verbinden.
00:10:44: Das klingt heute jetzt nicht mehr so schwierig, aber in den letzten Jahren gab es noch nicht überall Internet.
00:10:51: Wir waren dann hier mit dem Lehmbrugmuseum sozusagen der Knotenpunkt.
00:10:54: Die Telekom hat uns überhaupt erst mal Leitung gelegt.
00:10:57: Wir haben in die Waschkauen, in Hertenleitung gelegt und haben eigentlich so digital die Orte vernetzt, aber eben auch mit Kunst vernetzt.
00:11:06: Und das war, finde ich, ein wirklich gutes Projekt für die Leute vor Ort, weil manche von diesen Industriestandorten waren schon aufgegeben.
00:11:17: Das Lichtkonzentrum in Ohna gab es noch gar nicht.
00:11:20: Also zum Teil war es auch Impulsgeber für Veränderungen hinterher.
00:11:24: Und es war nach außen international ein gutes Zeichen dafür, dass diese vernetzte Region eigentlich ein Superpotenzial ist für die Idee des Netzes.
00:11:36: Sowohl jetzt technisch, also digital, als aber auch kommunikativ und sozial.
00:11:42: Und das ist so etwas, woran ich glaube, dass das einfach ein Prozentsial ist, was wir hier im Ruhrgebiet haben, was total auf die Zukunft ausgerichtet ist.
00:11:53: Insofern war die Kulturhauptstadt Ediv, einer ganzen Region, genau deine Sache an uns.
00:11:57: Genau.
00:11:58: Genau deine Dinge.
00:12:00: Dr.
00:12:00: Söke Dingler ist, ja, so ein bisschen ein bisschen Lehnbroke hat mir jemand gesagt, das ist im Grunde genau.
00:12:07: Die Frau, die dieses Museum ja nun wirklich auch mit zur Welt rumgeführt hat.
00:12:13: Du hast die Sechzig-Jahr-Feier gestaltet und und und.
00:12:17: Für Menschen, denen jetzt Willem Lehmbrug nicht ganz so nah ist nochmal ganz kurz.
00:12:21: Ich selber bin an der Kante Esner Norden groß geworden, Bottrop.
00:12:25: Und wenn meine Eltern einen kulturellen Schub bekommen haben, sind sie mit mir ins Quadrat gegangen nach Bottrop.
00:12:31: Und dann haben, das ich ja nämlich noch meine Mutter immer gesagt, also hier Josef, wie heißen sie, Josef und Anni Albers, glaube ich, Quadrat.
00:12:39: Super.
00:12:40: Und die haben auch den Lehmbrug irgendwie geformt.
00:12:44: Und ich wusste nur nicht, wer Lehmbrug war.
00:12:47: Jetzt weiß es, Wilhelm Lehmbrug.
00:12:48: Hier ist das Museum, Duisburg.
00:12:50: Stimmt das so?
00:12:51: Haben die den geformt?
00:12:54: Das wäre mir neu.
00:12:56: Das kann sein, dass sie miteinander zusammenhängen.
00:12:59: In der Zeit ist natürlich die ganze Architektur und Kunst der Moderne entstanden.
00:13:07: Die kann sich alle irgendwie.
00:13:11: Wir haben festgestellt, dass viele Sammler natürlich um Bauhaus, um Mies van der Rohe und Lehmbrug alle miteinander irgendwie zusammen hingen.
00:13:20: Mies van der Rohe hat Lehmbrugs Skulpturen in seinen Entwürfen positioniert.
00:13:27: Also die Kunstwelt war damals klein.
00:13:31: Auch Paris war nicht so groß, wie wir es jetzt heute vielleicht im Kopf haben.
00:13:35: Also viele kannten sich untereinander.
00:13:38: Und dann sind natürlich die Museum hier im Ruhrgebiet alle in einer ähnlichen Zeit entstanden, nämlich in der Zeit, wo schon klar war, die ganze Stahlindustrie, die ganze coole Industrie wird nicht mehr die Zukunft sein und deswegen brauchen wir Bildung und Kultur.
00:13:58: Weil das nur so?
00:13:59: neunfünfzig schon so, als das Lehmbrot Museum gebaut wurde?
00:14:02: Neunfünfzig war jetzt Grundsteinlegung und vierundsechzig wurde es eröffnet.
00:14:07: Und das Ganze war im Rahmen eines Umdenkens im Ruhrgebiet.
00:14:14: Das nämlich Bildung und Kultur, die vorher ja sozusagen verboten waren, weil die Leute sollten hier arbeiten, die sollten nicht... auf dumme Gedanken kommen, um das mal sozusagen.
00:14:24: Das war jetzt im Grunde passé und man wusste, Bildung und Kultur ist dasjenige, was uns nach vorne bringt und was uns jetzt eine Identität verschafft.
00:14:34: Stimmt, Kohle fing schon an in den Singflug zu gehen.
00:14:37: Genau, genau.
00:14:39: Und Stahl kam danach sozusagen.
00:14:40: Genau.
00:14:43: William Lehmburg, was mich fasziniert hat, vielleicht auch was meine Eltern auf diese Idee gebracht haben, dass irgendwie Josef Albers und er quasi künstlerische Dicke stecken, es waren beides Leute aus kleinen Verhältnissen.
00:14:54: Also Albers im Bottrop war, glaube ich, Volksschullehrer.
00:14:59: Und hier Wilhelm Lehmbrug war so ein Bergmanns.
00:15:02: Wie wird man da Künstler zu der Zeit?
00:15:06: Für mich ist das immer noch das überraschendste, beeindruckendste überhaupt an der ganzen Biografie, an der Karriere von Wilhelm Lehmbrug.
00:15:15: Dass er wirklich aus kleinen Verhältnissen kommt.
00:15:20: dann Kunst, Gewerbe erst mal studiert hat, dann sich hochgearbeitet hat in Düsseldorf an der Akademie und dann den ganz entscheidenden Schritt gemacht hat, nach Paris zu gehen.
00:15:32: Das
00:15:33: muss ja für dir sein.
00:15:35: Ganz junger Mann hatte eine Frau, also es mit kleiner Familie nach Paris gezogen, kannte kein Französisch.
00:15:44: Also das ist für mich immer noch das herausragende eigentlich an dieser Künstlerpersönlichkeit, Willem Lehmbrug.
00:15:51: Und innerhalb kürzester Zeit ist er berühmt geworden in dieser Metropole Paris und ist dann mit seinem Werk in New York erfolgreich gewesen als einer der wenigen Deutschen oder der einzige deutsche Künstler auf der Armory Show in New York, neunzehn, dreizehn.
00:16:08: Also alles noch vor dem Ersten Weltkrieg als in der Tat hier noch die Viele, sehr, sehr viele Schlote qualmten, das muss man sich mal vorstellen, ist eher sozusagen in die große weite Welt hinausgegangen und ist dann einer der erfolgreichsten Bildhauer unserer Zeit geworden.
00:16:25: Wo es ja dann auch Konkurrenten gab, obwohl er sich als Bergmannssohn so durchgesetzt hat, aber trotzdem nicht glücklich geworden ist darüber.
00:16:33: Ja, also ich würde jetzt nicht sagen, dass man das auf seine ganze Lebenszeit zuschreiben kann.
00:16:41: Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war bestimmt eine glückliche, sehr erfolgreiche.
00:16:47: Wer ist als junger Künstler schon mit seinem Werk in New York vertreten auf einer großen Ausstellung?
00:16:52: Lehmburg hat schon sehr früh verkauft.
00:16:55: Also er hat eine kleine Skulptur schon als Student verkauft.
00:16:59: Das ist auch nicht selbstverständlich.
00:17:01: an die Akademie, also war dann in der Sammlung der Akademie vertreten, eine kleine Badende.
00:17:08: Also er hat schon sehr früh so den Puls der Zeit erkannt, hatte eine unglaubliche handwerkliche Meisterschaft, hat mit Bronze gearbeitet, mit Marmor gearbeitet, in unterschiedlichsten Medien, mit Grafik, mit Zeichnung.
00:17:23: Also er war ein sehr, sehr vielseitiger, begnadeter Künstler.
00:17:28: Und wie viele Künstler in dieser Zeit war es natürlich vor dem ersten und im ersten Weltkrieg schwierig, seinen Weg weiterzugehen.
00:17:39: Das ist natürlich eine Zeit, die wir uns heute wahrscheinlich gar nicht mehr vorstellen können.
00:17:42: Er
00:17:42: ist dann nach Berlin gegangen und hat sich umgebracht.
00:17:47: Ja, so schnell hat er das nicht gemacht.
00:17:50: Also es gab natürlich noch eine Zeit dazwischen.
00:17:52: Also er ist nach Berlin gegangen, weil er aus Frankreich und aus Paris wieder nach Deutschland zurück musste.
00:17:59: Er war zwischenzeitlich dann im Exil in Zürich und hat dort noch gearbeitet.
00:18:04: Im Übrigen gibt es jetzt eine große Lehmbrücke.
00:18:07: Ausstellung in Zürich, im Kunsthaus Zürich, sehr, sehr schön gemacht.
00:18:10: Haben Sie sich Sachen
00:18:11: ausgeliehen bei euch?
00:18:12: Ja, wir haben das mit ihnen zusammen erarbeitet und viele Werke von uns hier aus dem Museum sind jetzt in Zürich zu sehen.
00:18:18: Aber
00:18:19: nicht die Kniende, die bleibt hier?
00:18:21: Ja, unsere ist hier, aber es gibt von manchen oder von vielen Skulpturen natürlich mehrere Versionen.
00:18:26: Okay, es gibt einen Abdruck.
00:18:28: Ja, es gibt halt mehrere.
00:18:30: Mehrere Varianten, okay.
00:18:33: Er war in Zürich und ist dann aus Zürich nach Berlin.
00:18:38: In Berlin hat ihn dann seine Verzweiflung über die Zustände der Welt eingeholt.
00:18:46: Und er hat dann den Freitod gewählt.
00:18:49: Sein Sohn hat dieses Wahnsinnsmuseum gebaut.
00:18:52: Ich finde den Bau wirklich überwältigend.
00:18:55: Man geht runter und hat gleichzeitig diesen freien Blick durch diese Wahnsinnsglasflächen in den Skulpturenpark.
00:19:02: Also das ist für mich eines der ganz großen Museumserlebnisse.
00:19:06: Nun ist Duisburg
00:19:08: auch
00:19:09: eine raue Stadt an manchen Kanten.
00:19:11: Und das Nehmburgmuseum steht ja nicht irgendwie auf einer Enklave, sondern ist mittendrin.
00:19:17: Und ich habe mich gefragt, als ich da die Figuren in eurem Park gesehen habe, hoch, wer passt den abends auf die auf?
00:19:22: Die stehen ja draußen und gucken teilweise rein.
00:19:25: Eine Figur steht direkt vor der Fensterscheibe.
00:19:27: Und ich habe gesagt, gibt es da ein Sicherheitsdienst, die dann da abends rumpatrouilliert?
00:19:30: Wie geht das?
00:19:32: Also die Offenheit ist ja Programm.
00:19:35: Sowohl Programm der Ausstellung als auch Programm der überzeugten Museumsarbeit als auch der Architektur.
00:19:41: Das heißt, wir schöpfen aus der ganzen Haltung, aus der Philosophie der Architektur von Manfred Lehmbrug, der Offenheit die großen Glasfassaden eigentlich zum Erkennungszeichen der Architektur gemacht hat.
00:19:58: Die Idee ist natürlich auch, die Werke nicht nur im Museum zu zeigen, nicht nur exklusiv im Inneren, sondern auch im Äußeren.
00:20:06: Und das tun wir im Kahnpark.
00:20:08: Und der Kahnpark, nein, der wird nicht bewacht.
00:20:12: Aber wir haben ja sehr gute Sicherungsmaßnahmen für die Werke.
00:20:17: Die verfinden nicht ständig aus, dass einer eine Skulptur unter den Namen nimmt und einfach mal eine Runde dreht.
00:20:22: Das geht nicht so leicht, nein.
00:20:26: Okay, Gott sei Dank kann ich das sagen.
00:20:29: Lehmbrug ist da, seine berühmten Figuren, die Giacometti-Skulpturen, ganz toll.
00:20:35: Aber dann gibt es auch ganz moderne Kunst.
00:20:36: Ich war da und habe also sechs Videoschirme gesehen.
00:20:40: Da waren Damen mit intergalaktisch langen Haaren und vor allen Dingen einer sehr festen Haarstruktur, die das Wasser der Niagaha-Fälle durch ihre Haare haben laufen lassen, ist aufgefallen.
00:20:51: und dann als Haarwuchsmittelverkauf, wenn ich das richtig erinnerung habe.
00:20:54: Das fand ich dann schon sehr interessant.
00:20:58: Es ist eine Künstlerin, Mikarottenberg, eine amerikanische Künstlerin, die in Argentinien geboren ist, eine Künstlerin, die schon seit Jahren gerne bei uns im Museum zeigen möchte, weil ihre Arbeiten wirklich so außergewöhnlich sind und so inspirierend und fantastisch und so real.
00:21:16: Mekarottenberg macht große Räume, also viele der Installationen sind ja begehbar.
00:21:23: Die
00:21:23: sechs Videos stehen da, man kann rein wie in eine Art Zelt, nun kann sich das angucken.
00:21:28: Genau, man geht dann irgendwie in so einen Schuppen, also sie arbeitet eigentlich immer mit Installationen, in die sie uns rein lockt und in diesen Installationen gibt es dann Video-Screens.
00:21:40: Und was da passiert, sind manchmal Geschichten, die sie ausgräbt aus der Historie.
00:21:46: Also wie dieses Seven Sutherland Sisters.
00:21:49: Die hat es tatsächlich gegeben.
00:21:52: Und die leben zusammen in einer... eine Art vorzeitlichen Idylle.
00:21:57: So
00:21:57: eine Dorfkommune, die Schafe züchtet und ihren Käse selber produziert.
00:22:02: Genau.
00:22:02: Eigentlich so eine romantische Geschichte, wie man alternativ leben kann, was sie aber auch auszeichnet.
00:22:09: Sie machen ganz viel Geld damit.
00:22:11: Sie produzieren ein Haarwasser und pflegen ihre ganz, ganz langen Haare.
00:22:16: Das ist tatsächlich gegeben.
00:22:19: Die Frauen haben mit den langen Haaren gegeben und die haben auch tatsächlich so ein Haarwasser produziert.
00:22:25: Und die Geschichte wird jetzt auf diesen Screens noch mal wieder erzählt, aber sehr amüsant auch.
00:22:33: Und am Ende ist es eben so, dass das, was wir denken über ein idyllisches, romantisches Landleben, auch vereinbar ist mit Eichtum, also damit mit seiner eigenen Kraft, und mit dem eigenen Körper und mit den eigenen Ideen reich zu werden.
00:22:50: American Business.
00:22:52: Ja, aber auf so eine schräge
00:22:53: Art.
00:22:54: Also wo man jetzt nicht das nächste Klischee schon wieder aus dem Hut zaubert, sondern sagt, ja eigentlich passt das mit dem, was ich von Reichtum eigentlich immer gedacht habe, ja gar nicht zusammen.
00:23:04: Und das macht die Mikarottenberg eigentlich in allen Arbeiten.
00:23:07: Also sie zaubert so.
00:23:09: Denkmuster aus dem Kopf und wir sagen dann, naja, das ist ja so und so und sofort wird dieses Denkmuster wieder in Frage gestellt.
00:23:19: Wir reagieren die Duisburger zum Beispiel auf so eine Installation.
00:23:22: Kriegst du das mit?
00:23:24: Also ich meine, es gibt sicherlich Männer, die sagen, das ist ja die Erfüllung aller Männer Träume.
00:23:27: Die Frauen haben Haare fast bis zu den Füßen.
00:23:30: Unglaublich schön.
00:23:31: So habe ich es mir immer vorgestellt.
00:23:33: Aber wie sind die Reaktionen auf diese Brüche, die es dann ja auch in der Darstellung gibt?
00:23:38: Also ich glaube tatsächlich, dass je nachdem, wer das sieht, auch die Arbeit ganz anders sieht, mit seinen Erwartungshaltung oder vielleicht mit seinen Wünschen.
00:23:49: Und jeder nimmt sich das, was ihn fasziniert.
00:23:51: Vielleicht die Männer eher, die Frauen mit den schönen langen Haaren.
00:23:55: Vielleicht die Mädchen eher auch so eine Faszination von Schönheit oder Schönheitsideal.
00:24:01: Die Ökos des Landleben.
00:24:02: So, genau.
00:24:04: Und dann ist natürlich das Einzige, womit sich das nicht so vereinbaren, dass die Geschichte von Reichtum so an der Stelle bricht das Ganze.
00:24:13: Auch Werke von ihr, die sehr hart sind.
00:24:18: Ein Werk zeigt zum Beispiel das Arbeiten von chinesischen Frauen in einer Perlenfabrik.
00:24:24: Man sieht richtig, wie diese Frauen die Austern aufbrechen und kleine Fremdkörper einsetzen und damit dann die Austern dazu anregen, Perlen zu produzieren.
00:24:35: Dann sieht man, wie sie die Perlen ernten.
00:24:37: Dann sieht man hinterher die Perlen.
00:24:40: Also es hat alles mit Arbeit zu tun, es hat alles mit einer Art von Reichtum zu tun und es hat auch viel damit zu tun, wie wir, wie die Bedingungen, in denen wir leben, zum Beispiel mit Asien, was immer wieder auftaucht, zusammenhängen.
00:24:56: Also im Grunde hängt alles mit einem zusammen und wir entwickeln so einen Bewusstsein für Globalisierung.
00:25:03: Also für das, was wir hier tun, das ist lokal einmal das, es hängt aber global an vielen Dingen, die gleichzeitig in Asien zum Beispiel passieren.
00:25:14: Spannend
00:25:14: für alle, die vielleicht ihrer Frau hier zu Weihnachten, zu Ostern, zu sonst was und ein Perlenohrring schenken und damit nochmal konfrontiert zu werden.
00:25:21: Du hast gerade gesagt, jeder nimmt sich so das raus, was ihn anspricht.
00:25:26: Könnte das sozusagen das Museumskonzept der Zukunft sein, mithilfe von KI-Profile von Besuchern zu erstellen, was interessiert denen und dann jedem seinen individualisierten Zugang zu schaffen?
00:25:38: Das ist nicht das.
00:25:41: Künstler wie Mika Rottenberg sind nicht KI gesteuert.
00:25:48: Und das macht eben die Kunst tatsächlich aus, dass es so individuell ist und dass es so eine hohe Form an ästhetischem und kreativen Denken gibt, was eine Maschine nur Stereotyp machen könnte.
00:26:03: Ja, also das wäre dann bei einer Maschine wiederholbar.
00:26:05: Es gibt ja ein Algorithmus, das ist wiederholbar.
00:26:08: Und wir sind ja als Menschen so fiffig, dass wir diese Wiederholbarkeit so schnell erkennen, dass es für uns dann langweilig wird.
00:26:16: Das ist ja befreiend.
00:26:18: Das KI-Freier Raum.
00:26:21: Wie kriegst du Leute ins Museum?
00:26:22: Ich meine, wenn man reingeht, wieder im Lehmbruckmuseum, du als Kuratorin, klar, es kommen Amerikaner dahin, die wissen, dass es das gibt und das amerikanische Künstler das loben und so weiter und so weiter.
00:26:38: Aber wie erreichst du neue Publikum-Schichten?
00:26:42: Mit guter Ausstellung zuallererst.
00:26:44: Das ist das A&O.
00:26:45: Gute Ausstellung, gute Künstler.
00:26:47: Die Künstler überzeugen, dass das ein schönes Museum ist und dass sie bei uns zeigen und nicht woanders.
00:26:52: Also eine gute aktuelle Ausstellung
00:26:54: auch.
00:26:54: Gute aktuelle Ausstellung, das ist das A&O.
00:26:58: natürlich auch einen Alleinstellungskarakter dabei haben.
00:27:02: Zum Beispiel Mika Rottenberg ist eine Künstlerin, die viele gerne ausstellen würden und die jetzt bei uns zeigt.
00:27:09: Also es ist natürlich auch wichtig, die guten Künstler hier für Duisburg zu gewinnen.
00:27:15: Also das ist das A und O.
00:27:17: Und ist das ja ein riesiges Fund für diese Stadt, die neue Leute anziehen will, wenn eine Mika Rottenberg hierhin kommt?
00:27:24: Da müsste das ja eigentlich ganz stark nach vorne gestellt werden, wenn man gute Fachleute hier hinholen will.
00:27:28: Ja, auf jeden Fall, auf jeden Fall.
00:27:30: Soll ich schon mal fürs nächste Jahr was erzählen?
00:27:32: Ja.
00:27:33: Wir haben im nächsten Jahr eine Ausstellung von Anish Kapur.
00:27:37: Das ist wirklich einer der größten, ja visionärsten Bildhauer unserer Zeit.
00:27:43: Er ist in Indien geboren, lebt jetzt in London und hat den Willem Lehmbruckpreis bekommen.
00:27:51: und wird eine große Ausstellung mit seinen sehr raumgreifenden Werken machen, die wirklich die ganze Physik und unsere Wahrnehmung auf den Kopf stellen.
00:28:01: Das ist auf jeden Fall nicht nur für die Region und für Duisburg, sondern eigentlich für Deutschland so ein Höhepunkt im nächsten Jahr.
00:28:09: Insofern ist dieses Museum zum Thema Transformation ein Riesenmotor, oder kann ein Riesenmotor sein?
00:28:16: Ja.
00:28:16: Toll.
00:28:18: Wie nimmst du Menschen die Angst davor?
00:28:20: die jetzt nicht so kultur- und kunstaffin sind.
00:28:23: Du hast viele Studiengänge durchlaufen, jemand hat mir gesagt, ich könnte dich sogar nach Seeholen befragen, du hast jetzt auch Biologie studiert.
00:28:29: Ich weiß nicht, ob das stimmt.
00:28:30: Das stimmt, ja.
00:28:32: Ich
00:28:32: habe Biostudien, ja.
00:28:34: Also wer jetzt nicht so viele Studien vorzuweisen hat, wie kriegt man denn dahin, die Hemmungen abzubauen, das nicht als einen furchterringenden Tempel anzusehen?
00:28:43: Also es ist sicherlich wichtig, früh zu beginnen.
00:28:48: Also früh mit Kindern, mit Schülern auch ins Museum zu gehen.
00:28:53: Wir arbeiten mit sehr viel... Engagement daran, unsere ganzen Schulen, Kindergärten ins Museum zu holen, somit dass das für sie selbstverständlich ist.
00:29:04: Dass es für sie eigentlich ein Ort ist, der für sie gemacht ist.
00:29:07: Also Kindergeburtstag auch.
00:29:09: Nicht nur im Kindergeburtstag, nicht nur im Möbelhaus oder im schnellen Bissunder, auch bei euch.
00:29:14: Ja, wir machen tatsächlich sehr, sehr gute Kindergeburtstage auch für Jugendliche.
00:29:18: Ich habe selbst einen Sohn, der in allen Museen zwangsläufig seine Sommerurlaube mitverbracht hat.
00:29:26: Und er war so ein bisschen skeptisch und hat gesagt, naja, als seine Klasse dann zu uns ins Museum wollte mit seiner Lehrerin, da hat er sich so ein bisschen geniert und hat gesagt, naja, muss das sein.
00:29:37: Und dann sind sie bei uns gewesen und ich habe ihn dann hinterher gefragt, ich sage, ja und wie war es, war es jetzt wirklich so, dass...
00:29:43: Fass so schlimm.
00:29:44: Und dann sagt er, nein, das war so toll.
00:29:47: Und es war tatsächlich in einem Alter, wo jetzt die Kinder nicht mehr so gerne von selbst ins Museum gehen.
00:29:54: und deshalb glaube ich, dass wir wirklich sehr, sehr gute Museumspädagogik machen, Museumsveranstaltungen sehr gut auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen, sodass sie einfach eine Begeisterung entwickeln für die Kunst.
00:30:06: Gisst du manchmal in die Schulen und erzählst, welche Berufe eigentlich so ein Museum zu bieten hat, angefangen vom Museumspädagogen bis zur Security?
00:30:15: Ja, das ist vielleicht eine Idee.
00:30:16: Das mache ich jetzt persönlich nicht.
00:30:18: Ich mache das dann im Museum selbst.
00:30:21: Aber das wäre vielleicht noch mal eine Idee, dass man so ein bisschen das Bild, was ein Museum auch hinter den Kulissen ausmacht, dass man das vielleicht noch mal ein bisschen nach außen trägt.
00:30:31: Kann man da auch ein freiwilliges soziales Jahr verbringen?
00:30:34: Wir haben sehr viele Praktikanten regelmäßig.
00:30:37: Wir haben auch Schülerpraktiker, die dann nur drei Wochen dauern, also relativ kurz sind.
00:30:42: Und wir haben Volontärinnen bei uns, die für uns absolut wichtig sind, weil die so diesen jungen Blick von so zwanzigjährigen auch ins Museumsteam tragen.
00:30:54: Das heißt, bei uns sind jetzt wirklich die jungen Generationen auch in der Mitarbeiterschaft gut vertreten.
00:31:00: Was ich total spannend finde ist, dass es Duisburg ja wirtschaftlich nicht nur gut geht.
00:31:05: Nur Stahl haben wir eben drüber gesprochen, Krise, Arbeitsplatzabbau, Tüssengruppe, Elftausend Arbeitsfest und so weiter.
00:31:11: Und dass ihr trotzdem ein so tolles Museum habt.
00:31:14: Ja, das finde ich auch.
00:31:15: Also ich finde, da kann man wirklich stolz drauf sein als Duisburger, als Duisburgerin, dass das gelungen ist mit vereinten Kräften, auch mit Hilfe der Politik, mit Hilfe des Oberbürgermeisters, wirklich in den letzten zehn, fünfzehn Jahren das Museum noch weiter in den internationalen Raum zu katapultieren.
00:31:35: Eigentlich viel, viel weiter als es je war.
00:31:38: Ich kann das sagen, weil ich neunzig Jahre im Museum angefangen habe, direkt nach meiner Promotion.
00:31:44: Also ich habe so den Vergleich, wie es noch vor zwanzig, dreißig Jahren war.
00:31:49: Und ich sage wirklich mit Stolz, dass die ganzen Politiker, also die gesamte Kulturpolitik und auch die ganze Stadtgesellschaft das Museum so unterstützt haben und so auch an die Bedeutung des Museums glauben, dass wir auch die finanziellen Möglichkeiten hatten und so international nach oben zu katapultieren.
00:32:12: Das ist natürlich nicht selbstverständlich.
00:32:14: Überhaupt nicht.
00:32:15: Und das widerspricht auch dem Klischee, dass Duisburg nur grau sei und nur Stahl und nur Binnenhafen und nur Logistik, aber keine Kulturentwirklichkeit.
00:32:23: Ist es ein Riesen-Kultur-Event?
00:32:26: Ja.
00:32:26: Und wir sind aber sehr, sehr verbunden mit der Logistik und der Wirtschaft.
00:32:31: Gott sei Dank.
00:32:31: Also ich würde das gar nicht so auf zwei Seiten einer Medaille sehen.
00:32:34: Wir haben zum Beispiel seit einigen Jahren, seit drei, vier Jahren eine sehr, sehr, sehr gute Partnerschaft mit dem Duisburger Hafen.
00:32:43: Wir unterstützen uns im nächsten Jahr wieder nennenswert, unermesslich, unersetzbar bei Anisch Kapur, bei den Transporten.
00:32:52: Das heißt, der Duisburger Hafen Markus Bangen, seine Mitarbeiter wissen sehr, sehr genau zu schätzen, dass für diese ganze wirtschaftliche Stärke, die wir hier haben, Weltoffenheit wichtig ist und Weltoffenheit bringt die Kultur in eine Stadt.
00:33:07: Beides ist natürlich für eine offene Stadt wichtig.
00:33:11: Also einerseits der Hafen, der sicherlich ein Fund ist, mit dem wir jetzt nicht nur wirtschaftlich wuchern können, als auch die Kultur, die von dieser Weltoffenheit wiederum profitiert.
00:33:22: Dann könntest du eigentlich dich mit Markus mal auf ein Poster stellen und sozusagen das Bild von Dysburgformen nach außen.
00:33:28: Das
00:33:29: können wir gerne machen, ja.
00:33:30: Hafen und Kultur, Hand in Hand.
00:33:32: Die letzte Frage.
00:33:34: die ein bisschen in deine Persönlichkeit geht.
00:33:37: Was tust du, Komma, obwohl es unvernünftig ist?
00:33:42: Lange schlafen.
00:33:44: Herrlich, ich beneide dich.
00:33:46: Dr.
00:33:47: Söke Dinkler, Chefin des Wilhelm-Lehmburg-Museums in Duisburg.
00:33:52: Tolle Frau, ein tolles Museum, ein Motor für die Stadt.
00:33:56: Vielen Dank für das Gespräch.
00:33:57: Gerne.
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